BAKTERIELLE VAGINOSE ᐅ Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Wenn Bakterienstämme die Scheide befallen kommt es zu bakterieller Vaginose. Die Diagnose ist diffizil, die Behandlungsmöglichkeiten dafür umso vielversprechender.

Lesen Sie bei uns alles über Risiken, Behandlung und Methoden, um Rückfälle zu vermeiden.


 Informationen zur Krankheit

  • Bezeichnung: Bakterielle Vaginose
  • Typ: Akute Kolpitis
  • ICD-Codes: N76.0

Was ist eine bakterielle Vaginose?

Die Scheide verfügt über eine mit Laktobazillen besiedelte saure Flora. Hierdurch wird ein angemessener pH-Wert erzielt, welcher das Scheidenmilieu vor krankmachenden Keimen und Bakterien schützt.

Einmal aus dem Gleichgewicht geraten kann diese empfindliche Flora jedoch nicht mehr aktiv arbeiten und verliert ihren „Schutzschild“.

Krankheitserreger vermehren sich und lösen eine bakterielle Scheideninfektion aus, wobei
insbesondre Bakterien, welche ohne Sauerstoff auskommen (Anaerobiern) im äußeren Scheidenbereich überleben und sich ungehindert vermehren. Daneben ist auch der Mischbefall durch verschiedene Keime bei dieser Erkrankung möglich.

Einer der häufigsten Erreger, welcher sich bei einer bakteriellen Vaginose breit macht ist das Bakterium Gardnerella vaginalis, welches bei jeder bakteriellen Vaginose nachweisbar ist, weshalb die Erkrankung in Fachkreisen auch unter dem Begriff „Gardnerella-Vaginitis“ bekannt ist.

Der Erreger Gardnerella

Der Erreger Gardnerella setzt bei einem übermäßigen Befall vermehrt Amine frei, was merklich zu einem unangenehmen Fischgeruch und erhöhtem Scheidenausfluss führt. Ein Begriff für bakterielle Vaginose ist daher auch „Amin-Vaginose“ oder „Aminkolpitis“.

Die Bakterienart Gardnerella (Gardnerella vaginalis) fällt in die Familie der Stäbchenbakterien, sie sind unbeweglich und klein. In vielen Fällen vermehren sie sich zusammen mit anderen Bakterien und Pilzen. Der Erreger Gardnerella wird auch als fakultativ pathogen bezeichnet, da er zwar generell im Scheidenbereich vorkommt, aber nur in erhöhter Anzahl zu einer bakteriellen Vaginose führt.

Ursachen und Auslöser

Voraussetzung für eine Erkrankung mit dem Erreger ist ein geschwächtes Immunsystem in Kombination mit einem Anstieg des pH-Werts des Scheidenmilieus über 4,5. Diese Bedingungen sind wie gemacht für eine Vermehrung der Gardnerella Keime.

Davon abgesehen kann eine Ansteckung aber auch über Geschlechtsverkehr oder falsche Intimhygiene entstehen.

Risiken einer bakteriellen Vaginose

Der Erreger Gardnerella beschränkt den Befall zumeist auf den Scheidenbereich. Die gute Nachricht ist, dass eine bakterielle Vaginose bei einem ansonsten gefestigten Gesundheitszustand keine schwerwiegenden Folgen mit sich bringt. Wichtig ist jedoch, dass nach der Diagnose eine schnelle und effektive Behandlung erfolgt. Wer einmal unter bakteriellen Vaginose leidet hat meist wiederkehrende Probleme mit dem Krankheitsbild, weshalb besonders nach einer überstandenen Infektion Intimhygiene das A und O für die betroffenen Frauen ist.

In der Schwangerschaft sieht die mit der Erkrankung einhergehende Problematik jedoch anders aus und
birgt Risiken mit sich, worauf wir unten folgend noch näher eingehen werden.

Bakterielle Vaginose erkennen | Symptome

Knapp 10 Prozent aller erwachsenen Frauen erkranken zumindest einmal im Leben an einer bakteriellen Vaginose. Bei fast der Hälfte geht die Erkrankung ohne spezifische Symptome einher und verursacht unter Umständen überhaupt keine Beschwerden. Eine Diagnostik erfolgt hier häufig im Zuge von Vorsorgeuntersuchungen.

Insbesondere bei einer Mischinfektion durch unterschiedliche Bakterien kommt es jedoch zu klassischen Symptomen wie unangenehmen Fischgeruch und vermehrtem Ausfluss. Aber auch Brennen und Schmerzen während dem Geschlechtsverkehr sind mögliche Zeichen, die auf eine Infektion hindeuten.

Seltener sind daneben Juckreiz und Schmerzen beim Wasserlassen. Bei einer Superinfektion mit Hefepilzen kommt es zusätzlich zu den klassischen Symptomen eines Scheidenpilzes wie Juckreiz, Rötungen und Schwellungen im äußeren Genitalbereich.

Diagnose

Eine Diagnostik erfolgt zuerst anhand der klassischen Symptome, allen voran des fischigen Geruchs der Scheide.

Eine eindeutige klinische Diagnostik ist hingegen nicht immer möglich. Bei Zweifeln an der Diagnose gibt es die Möglichkeit eines Abstrichs, welcher der Gynäkologe per Mikroskopie untersucht.

Diagnose

Die komplette Diagnosestellung, welche ein zuverlässiges Ergebnis liefert erfolgt anhand der sogenannten Amsel–Kriterien:

  • vermehrter, dünnflüssiger Ausfluss mit gau-weißlichem Farbbild
  • der pH-Wert der Scheidenflora ist über 4,4
  • fischiger Geruch des Fluors. Mit dem „whiff-Test“ kann dieser durch Zugabe von Kalilauge verstärkt werden.
  • mikroskopischer Nachweis von Schlüsselzellen, wobei die einzelnen Zellen nicht mehr deutlich voneinander abzugrenzen sind.

Bei der Diagnostik ist darauf zu achten, dass das Krankheitsbild zu ähnlichen Erkrankungen wie einer Scheidenentzündung oder einer Entzündung der Gebärmutterhalsschleimhaut abgegrenzt wird.

Bakterielle Vaginose in der Schwangerschaft

Eine bakterielle Vaginose in der Schwangerschaft ist im Gegensatz zu einer Erkrankung außerhalb der Gravidität nicht risikofrei. Bei einem ersten Verdacht ist daher unverzüglich ein Arzt aufzusuchen, denn unbehandelt kann der Bakterienbefall zu Wehen und damit zu einer Frühgeburt führen.

Meistens sieht die Therapie während der Schwangerschaft eine Gabe von Metronidazol, Clindamycin oder Dequaliniumchlorid vor. Die Gefahr einer Frühgeburt sinkt vor allem bei einer Behandlung vor der 20 SSW signifikant.

Wie die Behandlung während der Schwangerschaft im Einzelfall aussieht wird aber der behandelnde Arzt entscheiden. Er wird Sie auch über vorbeugende Möglichkeiten informieren.

Mögliche Behandlungsmethoden

Sofern die Erkrankung ohne Symptome einhergeht ist eine Behandlung der bakteriellen Vaginose nicht unbedingt erforderlich, anderenfalls kommen unterschiedliche Therapiemöglichkeiten in Betracht.

Welche der Behandlungsformen angezeigt ist, wird je nach Einzelfalllage entschieden, da die verschiedenen Therapien auf unterschiedliche Angriffspunkte ansetzen. Die Entscheidung ist hierbei abhängig von dem individuellen Krankheitsbild und den auslösenden Erregern.

Auch die Behandlungsdauer richtet sich nach der Schwere des Krankheitsbildes und anderer begleitender Umstände.

bakterielle vaginose

Medikamente und Antibiotika

Die antibiotische Therapie in Form von Tabletten ist eine Behandlungsmöglichkeit bei einer bakteriellen Vaginose. Hier wird zumeist Metronidazol oder Tinidazol verwendet, welches in Tablettenform in der Regel über sieben Tage oder als Einmaldosis verordnet wird.

Salben, Cremes, Zäpfchen und Co.

Scheidenzäpfchen, welche Antibiotika (z.B. Metronidazol, Clindamyzin) oder ein Antiseptikum (Dequaliniumchlorid) enthalten sind ein weiterer Behandlungszweig.  

Aber auch antibiotische Vaginalcremes sind möglich, wenn auch deutlich seltener.

Begleitend zur Therapie können vaginale Milchsäurezäpfchen verwendet werden, welche die saure Flora der Scheide wieder ins Gleichgewicht bringen und einer erneuten Erkrankung vorbeugen.

Zur Stärkung der Abwehrkräfte und zur Vermehrung von Antikörpern kann zudem eine intramuskuläre Injektion mit nicht H202-bildenden Laktobazillen erfolgen.

Hausmittel

Hausmittel zur Behandlung der bakteriellen Erkrankung sind ein weiteres beliebtes Mittel der Wahl. Naturprodukte wie Milch, schwarzer Tee oder Oregano-Öl, welche mit einem Tampon in die Scheide eingeführt werden, gelten als die beliebtesten natürlichen Helfer.

Aber auch Tipps wie Knoblauch, welches in Gaze eingewickelt und eingeführt wird ist einer der Tipps, welche gegen
Aminkolpitis helfen sollen.

Daneben finden sich Hausmittel wie Teebaumöl, Essig- und Zitronenwasser, Joghurt oder Vitamin C, welches die Scheidenflora wieder ins Gleichgewicht bringen soll.

Diese Hausmittel werden zwar online gerne empfohlen, sind laut Experten jedoch keine geeigneten Therapiealternativen. Es liegen bisher keine Studien oder sonstigen Belege vor, welche die Wirksamkeit dieser natürlichen Heilmittel bestätigen.

Säuremittel, welche die Scheidenflora wieder ins Gleichgewicht bringen, sind laut Medizinern hingegen eine empfehlenswerte Begleittherapie.

Achtung:

Im Netz gepriesene Hausmittel wie Johgurt, Knoblauch etc. könne die Symtome der bakterillen Vaginose sogar noch verschlimmern, holen Sie sich bitte die professionelle Meinung Ihres Arztes ein!

Partnerbehandlung

Die bakterielle Vaginose ist ansteckend und kann auch durch Sexualkontakt übertragen werden. Dennoch ist es ohne entsprechende Symptomatik bei dem Partner nicht sinnvoll, eine Behandlung durchzuführen.

Studien legen weiterhin nahe, dass Frauen, welche einen häufigen Wechsel zwischen den Sexualpartnern haben, ein signifikant höheres Erkrankungsrisiko aufweisen. Hier bieten Kondome den besten Ansteckungsschutz.

Der Selbsttest für Zuhause

Neben dem Gang zum Arzt finden sich auf dem Markt mittlerweile auch Schnelltests für zuhause. Ein positiver Test zeigt eine deutliche Erhöhung des vaginalen pH-Werts auf. Diese Quick-Tests enthalten Abstrichtupfer, welche durch eine entsprechende Farbveränderung den pH-Wert des Scheidensekrets messen.

Die Tests zeigen mit einer Sicherheit von knapp 90 %, ob sich der pH-Wert des Sekrets verändert hat.

Einer dieser Schnelltests ist beispielsweise der Canestest vaginale Selbsttest, welcher nach diesem Prinzip arbeitet und gute Kundenbewertungen für sich gewinnen kann.

Ab wann sollten Sie zum Arzt?

Ärztliche Hilfe ist immer dann gefragt, sofern Sie unter unklaren Symptomen leiden oder unter Symptomen, welche auf eine bakterielle Vaginose hindeuten.

Auch bei wiederkehrenden Infektionen oder Erkrankungen, welche Sie selbst nicht in den Griff bekommen, ist der Gang zum Arzt unerlässlich.

Bakterielle Vaginose vorbeugen – geht das?

Bakterielle Vaginose ist unter anderem sexuell übertragbar. Setzen Sie daher auf Safer Sex, insbesondere wenn Sie mit unterschiedlichen Partnern verkehren.

Aber auch ein zu viel oder zu wenig an Scheidenhygiene kann ein Grund für immer wiederkehrende Erkrankungen sein. Normale Seife ohne Duftstoffe und der Verzicht auf spezielle Vaginalreinigungsmittelchen gelten als beste Intimhygiene.

Bei generellen Problemen mit dem Gleichgewicht der Scheidenflora helfen Milchsäurezäpfchen oder Vaginalzäpfen mit Laktobazillen um die saure Scheidenflora wiederherzustellen und einer Erkrankung vorzubeugen.

Im Falle einer Schwangerschaft sollte bereits beim ersten Verdacht auf eine Erkrankung der Arzt aufgesucht werden.

Bakterielle Vaginose vorbeugen - Überblick:

  • pH-neutrale Seife oder nur der Gebrauch von Wasser als Intimhygiene
  • regelmäßige Kuren mit Milchsäurezäpfchen oder dafür vorgesehenen Gels. Diese bekommen Sie ganz einfach in Ihrer Apotheke oder Drogerie.
  • Sollten Sie häufiger wechselnde Geschlechtspartner haben, benutzen Sie ein Kondom. Eine bakterielle Vaginose kann durch Sex übertragen werden.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zur bakteriellen Vaginose

Sie möchten noch mehr Informationen über die bakterielle Erkrankung? Wir haben die passenden Antworten in unserem folgenden FAQ-Bereich.

Ist eine bakterielle Vaginose ansteckend?

Ja, bakterielle Vaginose ist ansteckend.

Muss mein Partner mitbehandelt werden?

Zwar haben bis zu 80 % der männlichen Partner von erkrankten Frauen nachweisbar Garnderellenbefall in Urin, Sperma oder in der Harnröhre, eine Therapie ist jedoch nicht unbedingt erforderlich und verringert auch das Risiko eines erneuten Befalls bei der Partnerin nicht.

Kann eine bakterielle Vaginose beim Sex übertragen werden?

Ja, bakterielle Vaginose kann über sexuellen Kontakt übertragen werden.

Fazit

Der Begriff bakterielle Vaginose hört sich schlimmer an, als die Krankheit wirklich ist. Häufig geht eine Erkrankung sogar komplett ohne Symptome einher, aber auch im Falle einer entsprechenden Symptomatik lässt sich die bakterielle Infektion mit einem Antibiotikum gut in den Griff bekommen.

Vorsicht ist jedoch im Falle einer Schwangerschaft geboten, denn hier steht das Risiko einer Frühgeburt im Raum.
Eine schnelle und nachhaltige Behandlung ist daher unerlässlich.

Ansonsten ist eine Behandlung nur in bestimmten Fällen gegeben und selbst die Therapie des Partners ist zumeist nicht angezeigt.

Falls Sie den Verdacht haben an diesem Krankheitsbild zu leiden helfen Quick-Tests für zuhause. Sie liefern innerhalb von nur wenigen Minuten aussagekräftige Ergebnisse.  


Quellverzeichnis anzeigen

Wie hilfreich war dieser Beitrag für Sie?
Das könnte Sie auch interessieren:
 
11