Bandscheibenvorfall: Symptome erkennen und richtige Behandlung wählen

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Bandscheibenvorfälle, HWS, LWS oder BWS werden häufig nicht ernst genug oder überhaupt nicht wahrgenommen. Derartige Krankheitsbilder können allerdings für starke Schmerzen bis hin zu Lähmungserscheinungen führen. Aus diesem Grund sollte ein Bandscheibenvorfall rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Im nachfolgenden Artikel geben wir einen Einblick in das Gebiet der Wirbelsäule und klären über Ursachen, Beschwerden und Behandlungen auf. Hierbei halten wir uns an die Basis der aktuellen medizinischen Wissensdatenbank.

Diagnose Bandscheibenvorfall (HWS, LWS, BWS)

Ein Bandscheibenvorfall ist nicht mit bloßem Auge zu erkennen. Die Bandscheibe befindet sich zwischen zwei Wirbeln und dient als eine Art Stoßdämpfer. Erschütterungen der Wirbelsäule, die zum Beispiel beim Hinsetzen oder beim Laufen entstehen, werden mit Hilfe der Bandscheibe abgefangen. Darüber hinaus sorgt die Bandscheibe für eine Beweglichkeit der Wirbelsäule und ist dafür verantwortlich, dass sich die Wirbel bis zu einem gewissen Grad in alle Richtungen zueinander verschieben können.

Woraus besteht die Bandscheibe?

Die zwischen den einzelnen Wirbeln befindlichen Bandscheiben bestehen aus einem Bindegewebe, welches sich in einem relativ festen äußeren Faserring befindet. Bei dem Kern der Bandscheibe handelt es sich um einen weichen Gallertkern, dem sogenannten Nucleus Pulposus.

Der Kern ist in der Lage, Wasser zu speichern, womit die Bandscheibe Elastizität erhält. Sobald eine Belastung wie zum Beispiel Laufen entsteht, nimmt der Wassergehalt ab, wodurch sich die Abstände zwischen den einzelnen Wirbeln im Laufe des Tages verkleinern. Auf diese Weise kommt ebenfalls das Phänomen zustande, dass der Mensch am Abend etwa 2 cm kleiner ist, als am Morgen. Im Inneren der Bandscheibe befinden sich weder Nerven noch Blutgefäße. Die äußere Fassung ist allerdings mit Nerven ausgestattet.

Wie wird ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert?

Wenn es zu Problemen mit der Wirbelsäule kommt, die sich in der Regel mit Schmerzen bemerkbar machen, muss ein Arzt konsultiert werden. Dieser nimmt eine umfangreiche neurologische Untersuchung vor, um den betroffenen schmerzauslösenden Nerv zu finden und eine gezielte Behandlung vornehmen zu können.

Bei dieser Untersuchung wird festgestellt, ob es sich um eine Schädigung der Nerven handelt. Für diese Diagnose werden die Reflexe, die Sensibilität, die Beweglichkeit und die Nervenleitgeschwindigkeit. Die entsprechenden Nervenwurzeln des Bandscheibenvorfalls können aufgrund des Schmerzverlaufs aufgestöbert werden.

Darüber hinaus wird ein Ausschlussverfahren vorgenommen, indem der Puls in den Beinen gemessen wird. Eine periphere arterielle Verschlusskrankheit, auch unter dem Begriff Schaufensterkrankheit bekannt, ähnelt einem Bandscheibenvorfall und kann ebenfalls Schmerzen im Rücken verursachen.

Röntgenuntersuchung

Kommt es zu einem Bandscheibenvorfall, wird eine Röntgenuntersuchung nötig. Hierbei nimmt der Patient verschiedene Positionen ein, damit die Röntgenbilder verschiedene Haltungen der Wirbelsäule zeigen können. Auf diese Art kann die Beweglichkeit der Wirbelsäule eingeschätzt werden. Mit dem Röntgenbild sind allerdings lediglich die verschleißbedingten Veränderungen der Wirbelsäule zu erkennen.

Weitere Maßnahmen

Durch die Computertomographie, die Magnetresonanztomographie oder die Myelographie wird es möglich, sowohl das Rückenmarkt sowie die Nervenwurzeln für das bloße Auge erkennbar zu machen. Bei dieser Untersuchung wird venös ein Kontrastmittel verabreicht, so dass es für den Arzt möglich wird, einen Bandscheibenvorfall von entzündlich verändertem Gewebe oder einem Tumor zu unterscheiden.

Krankheitsverlauf und Dauer eines Bandscheibenvorfalls

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Bei rund 90 von 100 Patienten mit einem Bandscheibenvorfall kommt es zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. In der Regel lassen die Beschwerden innerhalb von sechs Wochen von alleine nach. Hierbei wird vermutet, dass verschobene oder ausgetretene Bandscheibengewebe vom Körper selber regeneriert oder in die richtige Position zurückgeschoben wird, womit der Druck auf die Nerven und das Rückenmark nachlässt.

Die Dauer des Krankheitsverlaufs ist von dem jeweiligen Schweregrad des Bandscheibenvorfalls abhängig. Darüber hinaus ist ebenfalls ausschlaggebend für eine Heilung, ob eine konventionelle Behandlung oder eine Operation zur Anwendung kommt.

Die konventionellen Behandlungsmethoden

Wenn es zu einem Bandscheibenvorfall kommt, wird in der Regel eine konventionelle Behandlungsmethode angewendet. Hierbei besteht das Ziel darin, die Schmerzen zu lindern. Handelt es sich um einen akuten Bandscheibenvorfall, sollte die Wirbelsäule ruhig gestellt und entlastet werden.

Dies kann mit einer Bettruhe von weniger als 48 Stunden sowie Schmerzmitteln in Kombination mit Muskelrelaxanzien erreicht werden. Weitere Behandlungsmethoden bei einem Bandscheibenvorfall sind

  • Wärme mit einer Rotlichtlampe oder einem Wärmekissen
  • Stufenlagerung der Beine, wobei die Unterschenkel im rechten Winkel zu den Oberschenkeln stehen
  • Isometrische Übungen der Nacken- und Rückenmuskulatur

Sobald der Schmerz nachgelassen hat, was etwa 2 Wochen dauern kann, sollten eine unterstützende Bewegungstherapie sowie physiotherapeutische Übungen durchgeführt werden. Diese stärken die Belastbarkeit, die Rückenmuskulatur wird trainiert, womit der Betroffene langfristig auf eine rückenfreundliche Lebensweise umstellen kann.

Operation bei einem Bandscheibenvorfall

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Die Operation eines Bandscheibenvorfalls sollte erst erfolgen, wenn sämtliche alternativen Behandlungsmethoden nicht zu einem Erfolg geführt haben. In der Regel gelten die folgenden Fälle für eine Operationsempfehlung:

  • Die Bandscheibe drückt auf das Rückenmark oder seine Ausläufer, womit es zu den Symptomen einer Querschnittslähmung kommt
  • Akut auftretende Lähmung oder Kraftminderung, die einzelne Muskeln betrifft

Hierbei handelt es sich allerdings um äußerst selten auftretende Symptomatiken.

Sollte es nicht zu einer Linderung der Schmerzen aufgrund von alternativen Behandlungsmethoden kommen, kann eine Operation empfohlen werden, ist allerdings nicht zwingend erforderlich.

Die gängigsten Operationsmethoden bei einem Bandscheibenvorfall

Im Laufe der vergangenen Jahre wurden eine Reihe von Operationsmethoden für einen Bandscheibenvorfall entwickelt. Bei allen diesen Methoden wird der Bandscheibenvorfall operativ entfernt und die eingeklemmten Nerventeile entfernt.

Im Lendenwirbelsäulenbereich wird der Bandscheibenvorfall mit minimalen Hautschnitten behoben. In manchen Fällen wird sogar das sogenannte endoskopische Verfahren angewendet. Die Entscheidung für das gewählte Verfahren liegt beim jeweiligen Operateur und dessen Erfahrungswerte.

Sollte es im Halswirbelsäulenbereich zu einem Bandscheibenvorfall kommen, werden in der Regel sogenannte mikrochirurgische Bandscheibenentfernungen angestrebt. In den meisten Fällen wird in diesem Bereich mehr Bandscheibengewebe entfernt, als im Lendenwirbelbereich. Aus diesem Grund kann eine Bandscheibenprothese eingesetzt werden. Alternativ besteht die Möglichkeit, die benachbarten Wirbel zu versteifen.

Bandscheibenvorfall Symptome erkennen

Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls stehen in direkter Abhängigkeit mit der Lage und dem Ausmaß des jeweiligen Vorfalls. Darüber hinaus spielt es eine Rolle, welche Nervenstrukturen betroffen sind. Hierbei kann es sich um Rückenmark oder Spinalnerven handelt. Bei vielen Betroffenen wirkt sich ein Bandscheibenvorfall erst nach mehreren Jahren aus.

Symptome Bandscheibenvorfall Lendenwirbel

Bei einem Bandscheibenvorfall zwischen den Lendenwirbeln (LWS) kann es zu Schmerzen und Sensibilitätsstörungen im Rücken führen. Diese Schmerzen können bis in die Beine oder Füße ausstrahlen.

Symptome Bandscheibenvorfall Halswirbelsäule (HWS)

Bei einem Bandscheibenvorfall im Halswirbelsäulenbereich kann es zu Schmerzen und Sensibilitätsstörungen in der Schulter, den Armen oder in den Fingern kommen.

Es sind Fälle bekannt, in welchen der Bandscheibenvorfall zu Störungen beim Stuhlgang oder Wasserlassen führt. Hierbei kann es zu einem Taubheitsgefühl im Anal- und Genitalbereich sowie auf der Innenseite der Oberschenkel kommen. In diesen Fällen muss das Bandscheibengewebe operativ entfernt werden, damit die Nerven entlastet werden.

Bandscheibenvorfall Ursachen und Risikofaktoren

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Die Ursachen von einem Bandscheibenvorfall sind trotz fortgeschrittener Medizin und Wissenschaft in der heutigen Zeit noch nicht eindeutig nachweisbar. Es wird vermutet, dass bei betroffenen Menschen festgelegte Anlagen für eine Erkrankung der Bandscheiben vorhanden ist. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um die einzige Ursache.

Achtung! Überdurchschnittliche harte Arbeit, die bereits in jungen Jahren durchgeführt wird, kann ebenfalls ursächlich für einen Bandscheibenvorfall sein.

Bei den weiteren Ursachen für einen Bandscheibenvorfall kann es sich zum Beispiel um falsche Verhaltensweisen bei angeborenen Aufbaustörungen der Wirbelsäule handeln. Auch chronische Schädigungen der Wirbelsäule, die zum Beispiel beim Leistungsturnen von Jugendlichen entstehen können, kann es zu einem Bandscheibenvorfall kommen.

Der Bandscheibenvorfall kann sowohl während der Arbeit sowie beim Laufen, Sitzen, Stehen oder im Ruhezustand auftreten. Ein Unfall wird seltener als Ursache für einen Bandscheibenvorfall angegeben.

Bandscheibenvorfall Häufigkeit in Deutschland und weltweit

Wie ein Bericht der Ärztezeitung verdeutlicht, nimmt die Häufigkeit der Bandscheibenvorfälle in Deutschland sowie weltweit deutlich zu. Während es in Deutschland im Jahr 2007 noch 452.000 Patienten mit operativen Eingriffen gab, ist diese Zahl im Jahr 2015 bereits auf 772.000 Eingriffe angestiegen, womit eine Steigerung der Bandscheibenvorfälle in Deutschland um fast 71 Prozent erreicht wurde.

Bandscheibenvorfall Behandlung – Was tun?

Wie die Erfahrungen belegen, können die meisten Bandscheibenvorfälle konservativ behandelt werden. Dabei bilden sich die Vorfälle zwar nicht zurück, allerdings lassen die Beschwerden nach und die Betroffenen können ihren Alltag wieder bewältigen.

Konservative Therapie bei akutem Bandscheibenvorfall

Wer sich für eine konservative Therapie bei einem Bandscheibenvorfall entscheidet, sollte sich zunächst ausreichend über die Hintergründe der Therapie sowie der Erkrankung informieren. Betroffene Menschen sollten so schnell wie möglich zur normalen Aktivität zurückfinden. Bewegung richtet bei einem Bandscheibenvorfall keinen Schaden an. Bettruhe hingegen kann die Beschwerden im ungünstigen Fall verschlechtern. Aus diesem Grund sollte eine Bettruhe auf 2 bis 4 Tage beschränkt werden.

Schmerzmittel und Medikationen

Um die Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall zu lindern, verschreibt der Arzt in der Regel Schmerzmitteln. Es sollten keine rezeptfreien Schmerzmittel ohne Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Bei starken Schmerzen kann der Arzt über einen kurzen Zeitraum Morphine verordnen.

Darüber hinaus können muskelentspannende Medikamente Linderung bei den betroffenen Patienten verschaffen. Kommt es trotz dieser Medikationen nicht zu einer Besserung, werden in der Regel Injektionen von schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten direkt an die Nervenwurzel vorgenommen.

Operationen sollten nach Möglichkeit vermieden und erst in Betracht gezogen werden, wenn alternative Behandlungsmethoden nicht wirken.

Vorbeugung und Rehabilitation

Damit der Körper den alltäglichen Herausforderungen des Lebens gewachsen ist, muss eine starke Rumpfmuskulatur vorhanden sein. Um einen Bandscheibenvorfall zu vermeiden, sollten vorbeugende Maßnahmen zur Anwendung kommen. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um folgendes:

    Übergewichtige Menschen sind gefährdet, an einem Bandscheibenvorfall zu erkranken. Aus diesem Grund sollte auf das Körpergewicht geachtet werden.

    Regelmäßiger Sport, der sich günstig auf den Rücken auswirkt, sollte betrieben werden. Empfohlen werden Sportarten wie Wandern, Jogging, Skilanglauf, Kraulen und Rückenschwimmen, Tanzen oder Wassergymnastik.

    Ebenfalls stärkend für die Rückenmuskulatur sind bestimmte Entspannungstechniken wie Yoga, Tai Chi oder Pilates.

    Die Sitzposition sollte aufrecht in einem normal hohen Stuhl erfolgen. Darüber hinaus sollte die Sitzposition häufig gewechselt werden.

    Häufig verwendete Gegenstände sollten in gut erreichbarer Höhe positioniert werden. Dadurch werden Arme und Augen entlastet und die Halswirbelsäule wird nicht überlastet.

    Tiefe und weiche Sitzgelegenheiten sollten gemieden werden. Es werden keilförmige Sitzkissen empfohlen.

    Schwere Gegenstände sollte nicht mit gestreckten Beinen gehoben werden. Hierbei sollte in die Knie gegangen werden, wobei die Wirbelsäule gestreckt wird und die Last mit den Beinen getragen wird.

    Schwere Lasten sollten mit beiden Händen gehoben werden, damit die Wirbelsäule gleichmäßig belastet wird.

    Die Wirbelsäule sollte beim Tragen von Lasten nicht zur Gegenseite gewinkelt werden

    Lasten sollten dicht am Körper getragen werden, wobei ein Hohlkreuz vermieden werden sollte.

    Beim Schlafen sollte die Wirbelsäule keine Chance haben, abzuknicken. Hierbei sollte eine Matratze gewählt werden, dessen Härtegrad dem Körpergewicht angepasst ist.

Bandscheibenvorfall Übungen

Im nachfolgenden Video werden vom Schmerzspezialisten Roland Liebscher-Bracht Übungen gegen einen Bandscheibenvorfall gezeigt.


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