FLUOROURACIL ᐅ Lebensgefährliche Nebenwirkungen, wenn Sie…

Fluorouracil wird zur Behandlung verschiedenster Krebserkrankungen wie Dick- und Enddarmkrebs, Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Brustkrebs eingesetzt.

Was vielen Patienten nicht in vollem Umfang bewusst ist – im schlimmsten Fall kann es durch die Einnahme zu lebensgefährlichen Nebenwirkungen kommen…


 Informationen zum Wirkstoffe

  • Name: Fluorouracil
  • CAS-Nummer: 51-21-8
  • Formel: C4H3FN2O2
  • Molmasse: 130.08 g·mol-1
  • Mittlere Halbwertszeit: ca. 0.25 H
  • Q0-Wert: 1.0

Der Wirkstoff 5-Fluorouracil

Die Wirkung von Fluorouracil beruht auf der Hemmung der DNA- und RNA-Synthese. Sein Einsatz ist in der Chemotherapie, insbesondere bei kolorektalen Karzinomen oder bei Brustkrebs.

Der Wirkstoff ist auch bekannt unter den Namen 5-Fluorouracil; 5-Fluorpyrimidin-2,4-dion oder Fluorouracilum.

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Anwendungsgebiete von 5-Fluorouracil

5-Fluorouracil wird primär bei maligen Tumoren verwendet. Darunter zählen:

  • Malige Tumore des Magen-Darm-Bereichs
  • Ösophaguskarzinom
  • kolorektales Karzinom
  • Analkarzinom
  • Malige Tumore des Kopf- und Halsbereichs
  • Plattenepithelkarzinome
  • Mammakarzinom

Dabei wirkt der Stoff auf unterschiedlichen Ebenen:

  • Er hält die Erbgutverdoppelung an
  • Er behindert die Eiweißproduktion
  • Er hemmt die Zellvermehrung

Die Anwendung erfolgt wahlweise allein oder aber in Kombination mit anderen Stoffen.

Fluorouracil plus Salicylsäure gegen Warzen

Daneben findet der Wirkstoff auch in der Therapie von Dorn- und vulgären Warzen seine Anwendung. Als Creme oder aber bei der topischen Warzenbehandlung wird er in Kombination mit Salicylsäure eingesetzt.

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Darreichungsformen

Die Darreichungsformen des Wirkstoffs variieren. Je nach Einsatzgebiet ist eine Darreichung als Creme, Salbe oder Injektion sinnvoll.

  • Als Injektion wird der Wirkstoff bei fortgeschrittenen Krebsformen verwendet.
  • Cremes, Salben und Lösungen werden bei bösartigen Hautveränderungen angewandt, beispielsweise bei der aktinischen Keratose oder im Frühstadium des hellen Haukrebses (Morbus Bowen).
  • Cremes, Salben und Lösungen können aber ebenso bei der Behandlung von Warzen zum Einsatz kommen

Fluorouracil Anwendungshinweise & Dosierung

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Die allgemeinen Anwendungshinweise und Dosierungsempfehlung entnehmen sie der Packungsbeilage des jeweiligen Produkts. Je nach Darreichungsform, Anwendungsgebiet und Präparat variieren hier die detaillierten Empfehlungen.

ACHTUNG – Lebensgefährliche Nebenwirkungen

Wie bei jedem anderen Medikament kann es auch bei der Anwendung von Medikamenten mit Fluorouracil zu Nebenwirkungen kommen. Was viele Patienten nicht wissen ist, dass es im Falle dieses Wirkstoffes jedoch in speziellen Fällen sogar zu lebensbedrohlichen Nebenwirkungen kommen kann.

Schon ein Blick in den Beipackzettel lässt erahnen, dass es sich bei dem Präparat um einen echten Medikamentenhammer handelt. Hier werden lebensgefährliche Nebenwirkungen wie Krampfanfälle, Koma, Herzstillstand, plötzlicher Herztod oder eine tödliche Leberzerstörung aufgezählt.

Aber das war noch nicht alles. Wie die US-Arzneimittelbehörde FDA nun feststellte, sind ungefähr ein Prozent der Bevölkerung Träger einer Genmutation, welche zum Ausfall des Enzyms Dihydropyrimidin-Dehydrogenase (DPD) führt, über welche das Zytostatika abgebaut werden. Bei Medikamenten wie 5-Fluoruracil kann es hier im Falle der Einnahme schnell zu einer sehr hohen Wirkstoffkonzentration und im Zuge dessen zu einer lebensgefährlichen Überdosierung kommen, welche im schlimmsten Fall tödlich endet.

Fachinformation – Neues Risikobewertungsverfahren

Aufgrund dieses nicht zu unterschätzenden Risikos hat die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) ein Verfahren zur Überprüfung von fluorouracilhaltigen Arzneimitteln sowie den ähnlichen Wirkstoffen Capecitabin, Tegafur und Flucytosin, welche im Körper in Fluorouracil umgeformt werden, in Angriff genommen.

fluorouracil achtung verfahren

Quelle: bfarm.de

In diesem Verfahren werden die gängigen Screening-Methoden untersucht. Neue Daten aus Genanalyen und die momentan gängigen Screening-Methoden können einen Einfluss auf die künftigen Empfehlungen haben. Momentan ist kein systematisches Screening auf einen DPD-Mangel vor Beginn einer Behandlung verpflichtend vorgeschrieben.

Die EMA wertet nun die verfügbaren Daten aus und bewertet anschließend, ob und inwiefern eine Änderung der Risikobewertung sinnvoll erscheint.

Notfallmedikament gegen Überdosierung

Auch ein entsprechendes Notfallmedikament kann bei einer Überdosierung mit dem Wirkstoff Flurouracil Leben retten.

Der Retter in der Not heißt in diesem Fall Uridintriacetat, welches bisher primär zur Behandlung einer bestimmten Stoffwechselerkrankung eingesetzt wurde. Nun ist es auch zur Behandlung einer 5-Fluoruracil oder Capecitabin-Vergiftung zugelassen.

Da es bisher kein effektiv wirksames Gegenmittel gab, gilt diese Entwicklung als sehr positiv. Der Wirkstoff Uridintriacetat wird im Körper zu Uridin umgewandelt und hebt die Wirkung von Fluoraracil auf.

ⓘ Aktueller Stand
In Europa wird das Arzneimittel momentan in einem speziellen Patientenprogramm zur Verfügung gestellt. Zugelassen ist das Medikament im europäischen Raum bisher nicht. Die europäische Arzneimittelagentur hat jedoch ein beschleunigtes Zulassungsverfahren angeregt. Bis es soweit ist, sind seitens des Herstellers Mittel ohne formelle Zulassung verfügbar.

Mögliche Nebenwirkungen von 5-Fluorouracil

Der Wirkstoff 5-Fluorouracil steht im Zusammenhang mit einigen möglichen Nebenwirkungen. Dabei sind diese davon abhängig ob der Arzneistoff zur innerlichen oder äußerlichen Anwendung kommt.

Innere Anwendung:

  • Abgeschlagenheit, allgemeine Schwäche, Müdigkeit, Antriebslosigkeit
  • Verzögerte Wundheilung, Nasenbluten, Überschuss an Harnsäure im Blut
  • Gestörte körpereigene Abwehr mit vermehrten Infektionen
  • Neutrophilen-Mangel
  • Augenzittern, Kopfschmerzen, Schwindel
  • Lichtscheu, Bindehautentzündung, Lidentzündung
  • Magen-Darm Probleme
  • Hautausschlag; trockene Haut, Hautrisse, Hautentzündung

Bei der äußeren Anwendung wiederum kann es zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

  • Allergische Reaktionen, Überempfindlichkeit, Hautausschlag
  • Überempfindlichkeit, Nesselsucht
  • Reizung der Nasenschleimhaut, Mundschleimhautentzündung
  • Blasenbildung, blasige Hautablösung
  • Schuppige Haut, Abschuppungen
WICHTIGER HINWEIS:

Bei bestehender Medikation und über individuelle Fälle sprechen Sie vor Einnahme bitte unbedingt mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Ausführlichere Hinweise entnehmen Sie bitte der Packungsbeilage. Hinweise zu Neben- und Wechselwirkungen sind nicht allgemeingültig. Nicht jede Information ist für jeden Patienten relevant.

Verdacht auf Überdosierung oder Vergiftung? Hier ein Überblick der Giftnotrufzentralen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Was ist VOR der Einnahme zu beachten?

Um das Risiko von Nebenwirkungen zu verringern, ist es ratsam, bereits vor der Einnahme bestimmte Empfehlungen zu beachten.

So dürfen Sie das Medikament bei einer bestehenden Überempfindlichkeit, einer parallelen Anwendung von antiviralen Nukleosiden und während der Schwangerschaft nicht verwenden. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker im Zweifelsfall bereits vor der Einnahme über etwaige weitere Ausschlusskriterien einer Einnahme.  

Das gleiche gilt für Patienten mit bekannten Herzerkrankungen oder anderen chronischen Vorerkrankungen. Informieren Sie sich auch hier bereits vor der Einnahme bei Ihrem Arzt oder Apotheker und wägen das Risiken-/Nutzenverhältnis sorgfältig ab.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneien

Da 5-Fluorouracil über das Enzym Dihydropyrimidindehydrogenase abgebaut wird darf es nicht zusammen mit den Nukleosid-Analogan Brivudin und Sorivudin eingenommen werden. Dies könnte die Toxität des Medikaments drastisch erhöhen.

Nach einer Brivudin-Therapie ist ein zeitlicher Sicherheitsabstand von mindestens vier Wochen bis zur Einnahme von Fluorouracil eingehalten werden.

Auch bei anderen Arzneimitteln kann es zu Wechselwirkungen kommen. So kann es bei der gleichzeitigen Einnahme des Virostatikums Brivudin (Zostex) zu schweren Nebenwirkungen kommen. Auch die Prodrugs von Fluorouracil Capecitabin, Floxuridin und Tegafur sind von diesen Wechselwirkungen betroffen.

Weitere Informationen über Wechselwirkungen entnehmen Sie bitte der Packungsbeilage des jeweiligen Produkts.

Gegenanzeige – Wann darf Fluorouracil nicht verwende werden?

Auch bei bestimmten Vorerkrankungen oder Überempfindlichkeiten ist auf die Einnahme des Arzneimittels zu verzichten.

So darf der Wirkstoff innerlich nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Störungen der Blutbildung und Knochenmarksfunktion
  • schweren Blutbildveränderungen
  • schweren Leberfunktionsstörungen
  • akuten Infektionen
  • niedriger oder fehlender Aktivität des Enzyms Dihydro­pyrimidin-Dehydrogenase(DPD)
  • schlechter Allgemeinzustand
  • Personen, welche auf die Einnahme von Blutverdünnern angewiesen sind, sollten vor der Einnahme das Nutzen-/Risikoverhältnis sorgfältig abwägen und nur nach ausdrücklicher und sorgfältiger ärztlicher Indikation verwenden.

Bei der äußerlichen Anwendung darf der Wirkstoff folgend nicht aufgetragen werden:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Einsatz auf Schleimhäuten, Haut-/Schleimhaut-Grenzen wie Schambereich, Nasenöffnung
  • Einsatz auf Lippen oder Händen ohne Verband.

Erfahrungsberichte zu 5-Fluorouracil

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Erfahrungsberichte zur Einnahme des Wirkstoffs sind schwer zu finden. Das Stimmungsbild in den wenigen Berichten ist sehr unterschiedlich und hängt von der Darreichungsform, der Ausgangserkrankung und dem Zustand der Patienten ab.

Sofern Sie sich über Erfahrungen mit dem Wirkstoff austauschen möchten, ist es ratsam sich in entsprechenden Foren anzumelden und direkt mit Gleichgesinnten zu diskutieren und auszutauschen. Auch wir von Forum der Gesundheit wollen in solchen Momenten eine Plattform bieten zur offenen Diskussion und Austausch von Erfahrungen.

Auch ein Facharzt ist hier ein guter Ansprechpartner.

LESER HELFEN LESERN

Wenn Sie bereits Erfahrungen gemacht haben mit dem Wirkstoff Fluorouracil, seiner Wirkung und auch seinen Nebenwirkungen, so lassen Sie es uns & die Leser wissen. Nutzen Sie die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag und tauschen Sie sich mit anderen Anwendern aus.
Wir freuen uns auf Ihren Beitrag!

Welche Medikamente beinhalten Fluorouracil?

Der Wirkstoff kommt in verschiedenen Medikamenten vor und wird je nach Darreichungsform unterschiedlich angewandt:

  • 5-FU medac 50 mg/ml, Injektionslösung
  • 5-FU onkovis 50 mg/ml, Injektionslösung
  • Efudix 5%, Creme
  • Fluorouracil HEXAL 50 mg/ml, Injektionslösung
  • Fluorouracil-GRY 50 mg/ml, Injektionslösung

Preise – Wie viel kosten diese Medikamente?

Die Preise für die Medikamente variieren je nach Produkt, Darreichungsform und Packungsgröße. Sie bewegen sich zwischen 10 und 15 Euro.

FAQ – Häufige Fragen zu Fluorouracil

Lesen Sie in unseren folgenden FAQ’s die Antworten auf die häufigsten Fragen in Zusammenhang mit Fluorouracil.


Wobei kann mir Fluorouracil helfen?

Fluorouracil wird hauptsächlich zur Behandlung unterschiedlicher Krebserkrankungen eingesetzt. Aber auch die Therapie von Warzen mit dem Wirkstoff ist möglich.

Kann Fluorouracil auch gegen Warzen helfen?

Ja, in Zusammenhang mit Salicylsäure kann der Wirkstoff auch gegen Warzen helfen.

In welchen Medikamenten steckt Fluorouracil?

Der Wirkstoff ist in den folgenden Medikamenten enthalten:

  • 5-FU medac 50 mg/ml, Injektionslösung
  • 5-FU onkovis 50 mg/ml, Injektionslösung
  • Efudix 5%, Creme
  • Fluorouracil HEXAL 50 mg/ml, Injektionslösung
  • Fluorouracil-GRY 50 mg/ml, Injektionslösung

Fazit

Fluorouracil wird hauptsächlich im Zuge der Krebstherapie angewandt.

Nicht zu unterschätzen sind hierbei jedoch die Nebenwirkungen, über die sich viele Anwender vor der Einnahme nicht ausreichend informieren. Dies kann lebensbedrohliche Folgen mit sich bringen – Leberschäden, Herzversagen oder Koma sind nur einige der Nebenwirkungen, welche in der Packungsbeilage angeführt werden.

Daneben kann es bei Personen, welchen ein bestimmtes Gen fehlt, sogar zu lebensbedrohlichen Folgen kommen.

Vor der Einnahme ist es daher unumgänglich, dass Sie sich bei Ihrem behandelnden Arzt detailliert informieren und das Nutzen-/Risikoverhältnis ausführlich abwägen.

Ein Randgebiet der Therapie ist zudem die Behandlung von Warzen. Bei dieser Art der äußerlichen Anwendung von Fluorouracil sind die Nebenwirkungen deutlich abgeschwächt und nicht so extrem.


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