SCHEIDENTROCKENHEIT ᐅ Mögliche Ursachen und richtige Behandlung

Scheidentrockenheit ist nicht nur eine verbreitete Beschwerde in den Wechseljahren der Frau – dieses Problem haben auch viele junge Frauen. Es sind keineswegs nur Hormonschwankungen, die für die trockene und damit infektanfällige Scheide verantwortlich sind, sondern es können auch ernste Erkrankungen dahinterstehen.

Lesen Sie hier, was Sie selbst – schnell und effektiv – gegen Scheidentrockenheit tun können und was Sie besser nicht machen sollten. Auch erfahren Sie, wann Sie mit Ihren Beschwerden zum Frauenarzt gehen sollten.

Was ist Scheidentrockenheit?

Die Schleimhautzellen der Scheide sondern im gesunden Zustand eine leicht trübe Flüssigkeit (Sekret) ab. Dieses Scheidensekret wird als Ausfluss oder wissenschaftlich als Fluor vaginalis bezeichnet. Die Menge des Ausflusses beträgt am Tag zwar nur 2 bis 5 ml – dennoch reicht diese geringe Menge aus, um damit die etwa 10 bis 12 cm lange Scheide zu reinigen. Außerdem werden durch die chemische Beschaffenheit des Ausflusses ideale Lebensbedingungen für die natürliche Scheidenflora bereitgestellt.

Die Scheidenflora setzt sich einerseits aus diversen nützlichen Kleinstorganismen zusammen, insbesondere aus Milchsäurebakterien. Andererseits besiedeln auch potenziell gefährliche Hefepilze die Vaginalschleimhaut. Hefepilze können sich aber in einer gesunden, feuchten Scheide nicht übermäßig vermehren und so für die Frau zu einem Problem werden – etwa, indem sie eine Scheidenpilzinfektion auslösen.

Eine feuchte Scheide mit einer intakten Vaginalflora ist damit der beste Garant für die Gesundheit der Scheide. Aber auch der gesamte Körper einer Frau profitiert von einer gesunden Scheide, denn ein Eindringen von Krankheitserregern auf diesem Weg wird so abgewehrt.

Es ist damit leicht nachzuvollziehen, dass einer trockener werdenden Scheide dieser Schutzmechanismus nach und nach verloren geht. Einrisse in der Scheidenhaut sind schließlich die Folge, begleitet von Entzündungen und Schmerzen.

Scheidentrockenheit oder Scheidenpilz?

Scheidentrockenheit sollte nicht mit dem Scheidenpilz gleichgesetzt werden. Ein Scheidenpilz – eine Infektion der Scheide mit dem Hefepilz Candida albicans – kann aber leicht dann entstehen, wenn die Zusammensetzung der Vaginalflora gestört ist. Dies ist aber eben genau dann der Fall, wenn der natürliche Schutzmechanismus der Scheide – ihre natürliche Feuchtigkeit und Florenzusammensetzung – verloren geht. Scheidenpilz ist also oft die Folge einer trockener werdenden Scheide.

Symptome einer Scheidenpilzinfektion:

  • Rötungen, Brennen und/oder Schwellungen im Intimbereich
  • starker Juckreiz im Bereich der Schamlippen und des Scheideneingangs
  • verstärkter, weißlich bis quarkiger Ausfluss
  • weißliche Ablagerungen auf der Vaginal-Schleimhaut

Häufige Ursachen für Scheidentrockenheit

Welche Ursachen kommen in erster Linie für Scheidentrockenheit infrage? Darum soll es in den folgenden Unterkapiteln gehen:

Hormonelles Ungleichgewicht

Wechseljahre/Menopause

Etwa ab dem 45. Lebensjahr – dem ungefähren Beginn der Wechseljahre (Klimakterium) – kommt es bei der Frau zu einer tief greifenden hormonellen Umstellung: Der Östrogenspiegel sinkt. Diese Zeit ist auch dadurch geprägt, dass die Menstruation nach und nach ausbleibt (Menopause) – der Körper der Frau beendet damit seine Fruchtbarkeitsdauer. Die meisten Frauen haben mit 58 Jahren das Klimakterium hinter sich.

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Gerade aber im Klimakterium kommt es durch die Hormonumstellung dazu, dass die Scheide zunehmend weniger gut durchblutet wird. Das führt letztlich zur Scheidentrockenheit, weil die Feuchtigkeit der Scheide aus dem Blut in das Scheidengewebe ausgepresst wird. Die Scheide wird aber nicht nur immer trockener, sie wird auch immer dünner und damit verletzlicher. Diesen Zustand der Vagina bezeichnet der Arzt als vaginale Atrophie – sie betrifft etwa jede dritte Frau.

Schwangerschaft

Von der Scheidentrockenheit sind auch Schwangere betroffen. Scheidentrockenheit ist in dieser Zeit insbesondere auch für den Embryo oder Fötus gefährlich, da die schädlichen Keime – Hefepilze und bestimmte Bakterien – bis in die Gebärmutter aufsteigen und eine Frühgeburt auslösen können.

In der Zeit der Schwangerschaft kreisen die Gedanken einer Mutter um das Wohl ihres ungeborenen Kindes. Es ist deshalb verständlich, dass die werdende Mutter darüber nachdenkt, wie sie ihre Scheidentrockenheit behandeln möchte. Hormonfreie Mittel (z. B. mit Hyaluronsäure), wie etwa Gele, Vaginalzäpfchen (Ovula) oder Cremes zum Auftragen auf die trockene Scheidenhaut reichen meist schon aus.

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Verzichten sollte eine werdende Mutter unbedingt auf Genussmittel, wie Alkohol, Kaffe und Nikotin. Diese führen nicht nur zu Scheidentrockenheit, sondern können dem unbeborenen Kind erhebliche Schäden zugügen.

 Ursachen hormoneller Schwankungen bei der Frau:
  • Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln (Mikropille, Pille: mit hohem Gestagenanteil)
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Operationen an Eierstöcken und Gebärmutter
  • Wechseljahre (Klimakterium)

Psychische Ursachen

Nicht zu unterschätzen ist auch die gesunde Gefühlswelt für eine feuchte Scheide. Massive Paarprobleme, Depressionen und z. B. Stress am Arbeitsplatz tragen dagegen mit dazu bei, dass die Feuchtigkeitsabgabe in der Scheide zurückgeht.

Lebensstil

Die Scheide besitzt über die gesunde Sekretabsonderung (Ausfluss) ein ganz natürliches, körpereigenes Reinigungssystem. Zusätzlich kann klares und körperwarmes Wasser mit Waschlotionen, die einen möglichst niedrigen – nicht neutralen – pH-Wert haben, nicht schaden. Bei Verwendung normaler Seife und Duschgelen kann es demgegenüber zu Scheidentrockenheit kommen.

Mögliche Krankheiten

Bestimmte Erkrankungen können ebenfalls Auslöser von Scheidentrockenheit sein, so z. B. die folgenden:

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Endometriose (gutartige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut)
  • Sjögren-Syndrom (Autoimmunerkrankung)

Symptome

Frauen merken die trockene Scheide nicht nur am schmerzenden Geschlechtsverkehr, sondern auch an folgenden weiteren Kennzeichen:

  • Juckreiz und Brennen im gesamten Intimbereich (Vulva und Vagina)
  • Gefühl des Wundseins
  • Schmerzen beim Sitzen und Rad fahren
  • wiederkehrende Pilzinfektionen
  • Infektionen der Harnwege

Behandlungsmöglichkeiten bei Scheidentrockenheit

Bemerkt man die ersten Anzeichen einer Scheidentrockenheit, muss man nicht gleich zum Frauenarzt. Im Rahmen einer Selbstmedikation ist es durchaus möglich, Linderung und Heilung zu erreichen. Erst wenn die eigenen Bemühungen erfolglos bleiben, bietet sich der Weg zum Arzt an.

Cremes, Salben, Zäpfchen & Co.

Es gibt diverse Medikamente und Medizinprodukte, die sehr geeignet sind, das unangenehme Jucken und Brennen im Intimbereich loszuwerden und die Scheide anzufeuchten. Drei dieser Produkte möchten wir Ihnen hier vorstellen:

Vagisan Feuchtcreme
Dieses Medizinprodukt enthält als Hauptwirkstoff Milchsäure. Sie unterstützt eine gesunde Vaginalflora und wirkt damit auch gegen Scheidentrockenheit. Außerdem hat die Creme einen gewissen Fettanteil mit pflegenden Eigenschaften. Vor dem Intimverkehr kann die Creme auch als Gleitgel verwendet werden, ohne dass die Spermienbeweglichkeit beeinträchtigt wird. Die Creme wird mit einem Applikator in der Scheide platziert.

Kadefungin Befeuchtungsovula (Zäpfchen)
Bei besonders ausgeprägten Symptomen einer trockenen Scheide oder, wenn schon Verletzungen in der trockenen Scheidenhaut bestehen, können die Zäpfchen von Kadefungin helfen. Der Hauptwirkstoff ist die Hyaluronsäure – eine feuchtigkeitsspendende, körpereigene Substanz. Die Zäpfchen, die in die Scheide eingeführt werden, enthalten außerdem die Vitamine E und A, die die Scheidenhaut pflegen.

Wala Vaginalgel
Dieses Scheidengel wirkt mit natürlichen Heilsubstanzen und lindert Juckreiz und Entzündungen – auch im äußeren Intimbereich. Es kann auch Kindern ab 6 Jahren verabreicht werden.

Hausmittel

Wer seine Scheidentrockenheit mit Hausmitteln kurieren möchte, findet im Internet zahlreiche Hinweise zu angeblich lange erprobten und bewährten Mitteln. Aber halten sie auch wirklich das, was sie versprechen? Wir werden uns hier mit vier Mitteln auseinandersetzen und sie gewissenhaft daraufhin überprüfen, ob sie verlässlich in der Lage sind, eine Scheidentrockenheit erfolgreich zu behandeln.

Joghurt

Es ist leider ein sehr weit verbreiteter Irrtum, dass Joghurt bei Scheidentrockenheit hilft. Joghurt ist definitiv nicht in der Lage, eine gesunde Scheidenflora wiederherzustellen. Das Gegenteil ist allerdings schon eher der Fall,
denn Joghurt enthält auch Bakterien, die der Scheide schaden können.

Auch sind im Joghurt Stoffe enthalten, die die Scheide reizen, wie zum Beispiel Konservierungsmittel. Sie können das Problem einer entzündeten Scheide nur verschlimmern.

Sollte die Scheidentrockenheit von einem Scheidenpilz herrühren, ist auch in dieser Hinsicht keine Linderung der Beschwerden durch eine Anwendung von Joghurt zu erwarten, da Joghurt nicht in der Lage ist, Pilze abzutöten, wie es ein Antimykotikum kann.

Kokosöl

Angeblich soll eine Studie gezeigt haben, dass der regelmäßige Verzehr von Kokosöl die Intimregion feucht hält – quasi eine Intimpflege und Behandlung der Scheidentrockenheit von innen. Wir sind allerdings vorsichtig und skeptisch, da wir weder die Studie noch die Auftraggeber kennen. Es gibt auch Stimmen, die vor einer Einnahme von Kokosöl regelrecht warnen. Mit anderen Worten: Wir raten vorsichtshalber von der Einnahme von Kokosöl ab, bis Klarheit über dessen Wirkung – bezüglich der Behandlung von Scheidentrockenheit – besteht.

Vaseline

Auf den ersten Blick scheint es logisch, dass Vaseline bei Scheidentrockenheit helfen können müsste. Auf der anderen Seite wird allerdings auch darauf hingewiesen, dass Frauen, die Vaseline verwendeten, in einem Versuch öfter an bakterieller Vaginose erkrankten als Frauen, die keine Vaseline benutzten. Auch hier raten wir eher zur Vorsicht.

Olivenöl

Auch zum Thema Olivenöl findet man wenig bis nichts Seriöses im Internet in Bezug auf Scheidentrockenheit. Was aber wohl unstrittig ist, ist die Tatsache, dass Öle – z. B. Massage- und Babyöle – in vielen Fällen kaum als Mittel verwendet werden können, weil Kondome durch die Öle angegriffen und porös werden können.

Insgesamt stellt sich also der Eindruck ein, dass oben genannte Hausmittel eher ungeeignet sind, als dass sie bei Scheidentrockenheit wirklich helfen können.

Ab wann sollten Sie zum Arzt?

Wenn infrage kommende Krankheiten – wie z. B. Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – als Grund für die Scheidentrockenheit ausgeschlossen werden können, hat man im Rahmen einer Selbstmedikation gute Chancen einer Heilung. Aber natürlich steht es jedem frei, gleich einen Frauenarzt mit seinen Beschwerden aufzusuchen – zumindest dann, wenn sich Komplikationen einstellen, wie eine bakterielle Vaginose oder ein Scheidenpilz. Möglicherweise ist auch eine hormonelle Behandlung durch einen Arzt nötig.

Was also kann man selbst tun, um eine bestehende Scheidentrockenheit zu heilen und dann die Scheide dauerhaft gesund zu erhalten. Das ist das Thema des nächsten Unterkapitels.

Scheidentrockenheit vorbeugen – wie geht das?

Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, einer trockenen Scheide vorzubeugen. Einige davon haben wir hier aufgelistet:

  • Wenden Sie Medizinprodukte an, wie Feuchtcremes, Befeuchtungszäpfchen und Vaginalgel – sie sind rezeptfrei.
  • Vermeiden Sie Genussmittel, wie z. B. Alkohol und Nikotin.
  • Vertrauen Sie der Selbstreinigungskraft der Scheide (Ausfluss) und waschen Sie sich im Intimbereich nur mit lauwarmem Wasser und Lotionen mit niedrigem – nicht neutralem – pH-Wert.
  • Verwenden Sie Binden statt Tampons – Tampons sind in der Lage, die Scheide gründlich auszutrocknen.
  • Versuchen Sie, Stress in Ihrem Lebensumfeld abzubauen.
  • Erlernen Sie Entspannungstechniken, wie z. B. Yoga oder progressive Muskelentspannung.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Scheidentrockenheit

Wir beantworten an dieser Stelle wichtige Fragen, die uns häufig zur Scheidentrockenheit gestellt werden:

Scheidentrockenheit nur beim Sex – was kann ich tun?

Man kann Babyöl verwenden, um die Gleitfähigkeit der Scheide zu erhöhen. Diese Öle können allerdings das Material des Kondoms angreifen und zur Undichtigkeit führen. Besser sind wasserlösliche Präparate – sie greifen Kondome nicht an.

Kann mir ein in Joghurt getränkter Tampon helfen?

Joghurt hilft nicht gegen Scheidentrockenheit – auch wenn immer wieder das Gegenteil betont wird.

Kann Scheidentrockenheit Blutungen hervorrufen?

Ja, leichte Blutungen infolge Scheidentrockenheit gehören zu den häufigen Beschwerden.

Kann meine Periode eine trockene Scheide begünstigen?

Zwischen der Periode und Scheidentrockenheit besteht kein ursächlicher Zusammenhang.

Fazit

Für Scheidentrockenheit gibt es zahlreiche Ursachen – viele davon lassen sich vermeiden oder zumindest abschwächen. Für die richtige Behandlung in Eigenregie stehen diverse rezeptfreie Medizinprodukte zur Verfügung. Verlässlich wirkende Hausmittel scheint es aber nicht zu geben. Letzte medizinische Instanz zur Behandlung von Scheidentrockenheit ist der kompetente Frauenarzt.


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